Wohlfahrtsverbände schlagen Alarm und schreiben offenen Brief an Politiker im Landkreis Rotenburg Kleine günstige Wohnungen fehlen

Von Irene Niehaus

Menschen mit geringem Einkommen haben kaum eine Chance: Die Mieten sind gestiegen, kleine günstige Wohnungen sind nicht nur knapp, mittlerweile fehlen sie gänzlich im Landkreis Rotenburg.

Menschen mit geringem Einkommen haben kaum eine Chance: Die Mieten sind gestiegen, kleine günstige Wohnungen sind nicht nur knapp, mittlerweile fehlen sie gänzlich im Landkreis Rotenburg. Was eine Studie des Pestel-Instituts schon vor zwei Jahren prognostizierte, bestätigen Makler für die Region Zeven heute. Es gebe wenige oder gar keine erschwinglichen Ein- bis Zwei-Zimmer-Wohnungen mehr in Zeven und Umgebung, sagen übereinstimmend die Immobilienexperten Günter Will und Dieter Bohlmann.

Wohlfahrtsverbände im Landkreis Rotenburg schlagen Alarm. Sie sorgen sich um Geringverdiener, Alleinerziehende, finanzschwache Rentner und Hartz-IV-Empfänger, die keinen günstigen Wohnraum finden. Deshalb haben sich Awo, Sozialverband, Diakonie, Kirchenkreis und die Gemeinnützige Gesellschaft für soziale Hilfen (Geso) zu einem Bündnis zusammengeschlossen und einen offenen Brief an

den Landrat und die Kreistagsfraktionen geschrieben. „Auch Familien und Personen, die ein Einkommen aus einer Erwerbstätigkeit auf niedrigem Niveau erzielen, haben erhebliche Schwierigkeiten, entsprechende Wohnungen bezahlen beziehungsweise anmieten zu können“, heißt es in dem Schreiben.

Neu ist das Problem nicht. Vor zwei Jahren legte der Kreis Rotenburg ein Programm auf, das günstigen kleinen Wohnraum schaffen soll. Die Kommune fördert vier Jahre lang den Bau von erschwinglichen Wohnungen, eine Million Euro fließen in das Programm. Ein Förderinstrument, das bei weitem nicht ausreiche, sind sich die Wohlfahrtsverbände sicher. Sie befürchten einen „sozialen Bruch“ im Landkreis. Zugleich meinen sie, dass die Beratungen einer Arbeitsgruppe zum Thema Wohnungsmarkt und angemessene Unterkunftskosten für Hartz-IV-Bezieher stagnieren. „Wir Beratungsstellen sind ratlos. Wir können den Menschen, die zu uns kommen und uns ihre Lebenssituation hinsichtlich der Wohnungen schildern, keine schlüssigen Antworten geben“, teilen die Verbände in dem Brief mit. Menschen mit großer Sorge und Not suchten die Beratungsstellen auf, weil sie nicht mehr weiter wüssten. Die Verbände sehen „akuten Handlungsbedarf für die gesamte Bevölkerung des Landkreises Rotenburg“. Sie schlagen vor, „kleinteilige“ Wohnraumanmietungskonzepte in den Mittelzentren des Landkreises über Träger der Sozialen Arbeit zu forcieren, „um Mietern und Vermietern Sicherheit zu geben und kurzfristig Wohnraum zu öffnen“.

Bei den Adressaten des Briefes, den Politikern im Rotenburger Kreistag, finden die Forderungen ein großes Echo. Die Mehrheitsgruppe von SPD, Grünen und Freien Wählern nehme das Anliegen der Verbände sehr ernst, betonten gestern SPD-Fraktionschef Bernd Wölbern und die stellvertretende Landrätin des Landkreises Rotenburg, Doris Brandt (SPD), in einer gemeinsamen Erklärung. Das Förderprogramm für kleinräumigen Wohnraum sei nur ein erster Schritt, dem weitere folgen müssten. Jetzt müssten gemeinsam mit den Verbänden konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Situation auf dem Wohnungsmarkt erörtert werden. Handlungsbedarf sieht auch Heinz-Günter Bargfrede, Vorsitzender der CDU/FDP-Gruppe im Kreistag. „Wir sollten unverzüglich auf den offenen Brief reagieren.“ Er beantragte, eine Sondersitzung des Fachausschusses einzuberufen, der sich mit dem Wohnungsmarkt und angemessenen Unterkunftskosten im Landkreis Rotenburg sowie mit Themen wie Wohnen im Alter und angemessener Wohnraum für Hartz IV-Empfänger beschäftigen solle. Auch will Heinz-Günter Bargfrede aktuelle Programme des Landes Niedersachsen und des Bundes zur Förderung des sozialen Wohnungsbaus und ihre Anwendungsmöglichkeiten erörtern lassen.

 

Quelle Weserkurier/Wümmezeitung

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